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2025: GOSSIP GIRL

Seit dem 1. Januar 2016 führe ich ein öffentliches Tagebuch, das in jedem Jahr unter einem neuen Titel erscheint. In diesem Jahr lautet das Motto «Gossip Girl». Tagebucheinträge aus den vorangegangenen Jahren 2021 bis 2024 einschließlich sind hier auf der Seite archiviert; die aus den früheren finden sich bei waahr.de

02.04.

Es war die Zeit der Rapsblüte. Die gelben, noch satter in diesen Ton gefärbt als die Narzissen, über das Land wie gestreuten Felder sah ich schon von oben, im Anflug auf Toulouse. Wenig später dann, da schon im vollbesetzten Bus, die ersten Pinien. Für mich der sommerlichste Baum.

Die Tür öffnet sich, wenn man auf den mit «Laporte» beschrifteten Klingelknopf drückt. So kann das Leben sein.

Am Flussufer blüht schon der Milchstern. Wir sind hierher gekommen, um mehrere Tage lang vor allem zu essen. Nachts rüttelt der Wind an den Fensterscheiben. Der Wind weht hier auch viel ausdauernder noch als auf Sylt. Dafür gibt die Matratze schier unendlich nach. Bis in die untersten, dunkelsten Palastetagen hinunter. Dort schläft man ein.

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31.03.

Schatten auf der Rinde eines Kirschenbaums, wie Schriftzeichen auf einem Pergament.

Als wir im Sonnenschein, der flüchtig war, auf der Bank vor dem Felix Jud Cottage saßen, zählten wir einander sämtliche Blumen und Blüten auf, die wir auf dem Weg dorthin gesehen hatten. Frau C erwähnte dabei eine Blume, klein und gelb und wie ein Stern, die Blütenblättchen spitz zulaufend geformt und so glänzend, als wären sie aus gebügelten Strohalmen gefertigt.

F. kaufte mir eine signierte Ausgabe, gebunden, von Air «zur Belohnung. Im Sommer, wenn Du fertig bist, sollst Du es lesen.»

Eine einzelne einzige einsame Wolke, nicht sonderlich hoch stehend über dem spiegelnden Meeresgrund, der entblößt da lag hinter der Abbruchkante am Morsumer Kliff.

Landschaftsmaler zu sein, hätte ich gar keinen Bock. Kurz vor der Abfahrt trafen die Zugvögel ein.

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30.03.

Es war die Zeit der Narzissenblüte. Ich wusste nicht, dass die Narzisse wild wächst auf Sylt.

Die Natur ist das beste hier. Die Landschaft, gerade jetzt, wo die Bäume noch kahl sind, die Heide wie verrostet zwischen den Dünen durchhängt und der Strandhafer knochenbleich ins Blaue sticht.

Kurz vor Sonnenuntergang, auf dem Deich um die Rantumer Bucht: Der Wind bläst derart heftig von der Seite, dass ich fürchtete, er drängt mich vom Wege ab und den Abhang hinunter ins graue Wasser, in dem die Schwäne saßen. Versammelt um eine schmutzige Insel, was ich als ihrer unwürdig empfand.

Das Wetter wechselt mehrmals in der Stunde, bei Sonnenschein hatte ich beinahe, um Haaresbreite, eine Kröte überfahren.

Goldfasane, aufgeschreckt, setzten an zum Flug über die Straße. Kein Mensch am Strand: weit und breit. Das Meer, tosend. Brüllend. Wie von Sinnen. Ein Tier, das sich selbst auf Abstand hält. In seiner chaotischen Form.

Bei der Heimkehr ins Huus natürlich die Entdeckung, dass der Hund namens Ocean die Chips gefressen hatte.

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29.03.

«Lückenschluss im Münzviertel» lese ich bei der langsamen Vorbeifahrt an einer Hamburger Fassade auf dem Weg nach Sylt, wo ich die mittägliche Sonnenfinsternis um eine halbe Stunde verpassen werde.

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23.03.

Gestern, nach einem veritablen Happy Meal entdeckte ich ihn mit einem Mal da stehend, inmitten der im alpinen Sonnenlichte Tafelnden ragte er auf. Bis zuletzt ein Solitär. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken. Und konnte ihn dennoch nicht ansprechen, womöglich auch deswegen. Um ihn nicht zu stören in seiner Illusion, in der Hoffnung, dass ihn niemand so sieht.

Und ich hoffte, dass er auch mich nicht mehr wieder erkennen konnte.

Wenn Houllebecq schreibt, dass man richtig gemein sein müsste, um wahr zu sein, hat er damit das Schreiben im Sinn. Nicht das Leben selbst, das am Ende so sein wird.

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