2026: PABLO
Seit dem 1. Januar 2016 führe ich ein öffentliches Tagebuch, das in jedem Jahr unter einem neuen Titel erscheint. In diesem Jahr lautet das Motto «Pablo». Tagebucheinträge aus den vorangegangenen Jahren 2021 bis 2025 einschließlich sind hier auf der Seite archiviert; die aus den früheren finden sich bei waahr.de
07.03.
Mit Daniel bei Michael Werner: Bernard Réquichot. Bissle viele Namen vielleicht auf einen Satz, aber das war endlich mal wieder eine Ausstellung, die es in sich hatte, wie es heißt.
Als wir reingingen, kam Werner selbst gerade raus.
Ich hatte von dem Künstler zuvor noch nie gehört. MW hat den wohl schon lange persönlich gesammelt und breitet jetzt seine Sammlung aus in diesen wunderschönen Räumen.
Vor allem diese Collagen sind ergreifend. Aber auch die Zeichnungen im Parterre. Da gibt es kein anderes Wort: supèrb.
Was wird wohl, wenn es diese Altmeister unter den Galeristen nicht mehr gibt?
Als wir rausgingen, kam Laura gerade rein. Qualität setzt sich durch, wie Judith zu sagen pflegte.
Apropos ist das Buch jetzt fertig und schaut noch besser aus, als gedacht.
Schön!
03.03.
Am Abend hatte ich ein Buch von Sandro Penna geöffnet, „Fieber“, aus dem Nachlass von Peter Gente, das ich aus Chiang Mai mitgebracht hatte, und nachdem ich darin schon eine Weile gelesen hatte, stieß ich nach dem abermaligen Umblättern auf einen kleinen Stapel Geld.
Euros, es war dies kein Vermächtnis von Gente; ich selbst war es wohl gewesen, der die in Thailands Norden ungebräuchlichen Scheine dort zwischen den Seiten deponiert hatte.
Friederike, die just an diesem Abend Die Fälschung angebrochen hatte, fand darin nach wenigen Seiten zwei sorgfältig abgelöste Etiketten von äthiopischen Bierflaschen (Bedele und Giorgis Amber).
Papier trocknet zwischen Papier aufbewahrt nicht nur ausgezeichnet, es lässt sich so auch ideal aufbewahren. Oft bin ich überrascht, wie unbeschadet eine Verlagswerbekarte in den Seiten eines antiquarisch erworbenen Titels die zurückliegenden Jahrzehnte überstanden hat.
Im Grunde ja kein Wunder: Die Seiten selbst konnten das ja auch.
Als wir neulich mit Herrn Von Bülow aus der Marbacher Handschriftenabteilung aus Schwante nach Berlin heimfuhren, alle noch erfüllt von den schönen Gesprächen dort in Lorettas Refugium, wurde dies später zum Konsens zwischen F und mir: So etwas kann man nur mit Menschen erleben, die Bücher lieben.
28.02.
Ich erinnere mich an Nächte, wir lagen auf dem Spannteppich in Sentas Jugendzimmer, stets bedroht vom Hereinkommen der Mutter, die immerhin Primaballerina war, und wir flüsterten von unserer Angst. Blue Lines war ein Manifest.
Da ich meine Informationen aus der F.A.Z. beziehe und längst nicht mehr von Christiane Amanpour auf CNN, erfuhr ich vom amerikanisch gesteuerten Angriffskrieg Israels auf Iran erst um die Mittagsstunde, als ich Sebastian zum Matcha-Tasting (Ceremonial Grade) traf.
Durchgehend sonnig, später dann Anna Osius live aus Dubai und Sophie von der Tann aus einer Tiefgarage: „Hier hat es eben schon kräftig gerummst“.
Das ist jetzt eine Situation, die man bei Uber™ als „dynamic“ bezeichnen dürfte.
So jedenfalls wurde mir gestern, als auch schon BVG-Streik war, die Verdoppelung der Preise erläutert, dazu zeigte die App einen kl. Blitz. Man, also ich, kann ja gar nicht anders, als das als einen Vorteil zu nehmen.
Und so und so ähnlich läuft ja auch jede Rede von Donald Trump.
24.02.
Als ich eben aus dem Supermarkt ins Freie trat: Blaue Stunde. Endlich. Ich freute mich so. Heiter leuchteten mir die Schilder. Und im Haus gegenüber erschien im bienenwachsfarbenen Licht der zarte Kopf der Katze Layla am Fenster. Mal nach oben in den perlgrauen Himmel schauend, dann wieder auf die Straße hinab. Den Frühling erwartend. Sie ist wie ich.
In zehn Monaten ist Weihnachten.