Guten Tag, mein Name ist Joachim Bessing.
Ich beschäftige mich mit vielerlei Dingen.
Wie Cyprien Gaillard einmal sehr schön festgestellt hat: «Art seemed to me like a shelter for all my activities». Mit dieser Seite gewähre ich Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser, einen ausführlichen Überblick zu meinen
Neigungen und Tätigkeiten.

TAGEBUCH

2022:
ZART BESAITET
HEITER GESTIMMT

Seit dem 1. Januar 2016 führe ich ein öffentliches Tagebuch, das in jedem Jahr unter einem wechselnden Titel erscheint. In diesem Jahr lautet das Motto «Zart besaitet, heiter gestimmt». Tagebucheinträge aus dem Jahr 2021 sind hier auf der Seite archiviert; die aus allen vorangegangenen Jahren finden sich bei waahr.de

14.1.

Im republikanischen Kalender ist heute Tag der Katze. Es ist sechs Jahre her (oder fünf?), als ich hier ein ganzes Jahr unter Year of the Cat geschrieben habe.

Post von Gracq, gerade rechtzeitig: «Noch einmal zur Kiefer: von unten gesehen bildet kein Teil des Baumkleides eine Masse oder einen Schild; jede Nadel, jeder Zweig hebt sich vom Himmel ab, ohne dem Auge auch nur den geringsten Eindruck von Abstufung oder Tiefe zu geben, als wäre es ein zartes, flaches Flechtwerk. Betrachtet man sie ganz nahe am Stamm stehend, mit zurückgeworfenem Kopf, formt das Geäst, das stets zum größten Teil aus trockenen und abgebrochenen Zweigen besteht (alle Stümpfe der alten, unteren Äste stehen rechtwinklig vom Stamm ab wie die Stange eines Papageis), ein Geflecht gebogener Winkel, das sehr stark an die Graphik chinesischer Schriftzeichen erinnert; sie ist der Baum der Zeichner, nicht eines Malers, eines Liebhabers des aussdrucksstarken, leicht manirierten Striches; wie gut ist doch zu verstehen, dass Japaner und Chinesen bis zum Überdruss diese trockene und hölzerne Eleganz abgebildet haben, bei der das Blatt überall zum Zweig, das Geäst zum Skelett wird und die dem tintegetränkten Pinsel ein Zeichen geheimen Einverständnisses zu geben scheint.»

Die Liebe zum Wald, zu den Bäumen ist nicht Bestandteil des erworbenen Geschmacks wie Austern oder Rinderbraten. Der Kiefernwald ist wie Musik.

In Köln, als wir in der Alten Metzgerei beisammen saßen, ging es mit Thomas unverhofft um den Moment, als man als junger Mann zum ersten Mal auf ein Konzert gekommen war. Auf sein Konzert, das Konzert des Musikers, der Band, die man als insgeheim betrachten wollte. Die zu einem sang (und sprach) mit ihren Liedern. Und wie man schließlich dort eintrat, bei sogenanntem Putzlicht, in den viel zu grell erleuchteten Saal: jedes kleinste Detail, auch das noch so willkürlich erscheinende, hatte nun Sinn bekommen. Alles sollte, so kam es einem dann vor: darauf hinweisen. Auf den Auftritt des Ersehnten. Und wenn dann erst das Licht im Saal erloschen war und die Bühne festlich erstrahlte…

Im Waldgefühl hat sich eine Form dieser Ehrfurcht gebietenden Halle für mich konserviert. Und im Studio war es dann für mich tatsächlich wie der Gesang eines Vogels gewesen, dass Thomas die Single von Marlene Dietrich aufgelegt hat. Überraschenderweise. Alles wurde still, ganz Ohr, wie es heißt. Wir lauschten.

Die Aufnahme der Sendung findet sich hier.

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BÜCHER

Seit 1998 bin ich freier Schriftsteller. Ich beschäftige mich mit autobiografischem Schreiben. Meine erste literarische Veröffentlichung war die Erzählung «Contrazoom», erschienen im Sammelband Mesopotamia, den Christian Kracht herausgegeben hat. Aktuell sind erschienen Bonn. Atlantis der BRD und Hamburg. Sex City, beide bei Matthes & Seitz.

JOURNALISMUS

Neben einer veritablen Flut an Texten für Zeitungen und Zeitschriften, die in den vergangenen Jahren natürlich stark eingedämmt wurde, habe ich ab und an auch in Redaktionen sogenannte Positionen bekleidet. So war ich als Chefredakteur der Zeitschrift Quest bestellt, habe das Stil-Ressort bei der Welt am Sonntag geleitet, war als Korrespondent für Monocle in Äthiopien stationiert, war «Editor at Large» bei der franco-russischen Frauenzeitschrift L’Officiel und «Executive Editor» bei der russisch-deutschen Ausgabe von Andy Warhols Interview. Temps passé… und Zeit essen Texte auf. Eine Auswahl geglückter Texte finden Sie auf waahr.de. Interviews in englischer Sprache bei 032.com.

LITERARISCHER JOURNALISMUS

2013 habe ich mit Anne Waak und Ingo Niermann waahr.de gegründet. Ein Archiv für literarischen Journalismus. Schöne und erhaltenswerte Texte aus der jüngsten Vergangenheit, aus dem zwanzigsten Jahrhundert und sogar aus noch früheren Jahren vor der Erfindung der Paywall werden dort in Ehren gehalten und den am Lesen interessierten zugänglich gemacht. Für immer! Vermutlich

ÜBERSETZUNG

Ich übersetze aus dem Englischen. Als Highlight meines Schaffens erscheint mir diesbezüglich die deutsche Ausgabe Anständig Trinken von Kingsley Amis. Für die Gestaltung war Friedrich Forssmann zuständig, mit dem ich wiederum die Idee entwickeln konnte, dass Eugen Egner das fertig gesetzte Buch mit seinen Kugelschreiber-Zeichnungen (und Kommentaren) verziert. Ornament und Verbrechen liegen bekanntlich nah beieinander: Martin Amis (sein Vater Kingsley war längst verstorben) verhinderte sämtliche Neuauflagen des, wie ich fand, schönen Buches, eben dieser Gestaltung wegen. Die vom Rowohlt-Verlag besorgte Neugestaltung war dann freilich nüchtern.

Aber meine Übersetzungslust wächst nicht allein an literarischen Texten. Ein treuer Anhänger meiner fühlsamen Kunst ist beispielsweise ein schwedisches Unternehmen aus dem Bereich Im und Export marokkanischer Zementfliesen, marrakechdesign.de

BERATUNG

Durch meine jahrzehntelange Erfahrung im Ausbrüten längerer Gedankenspiele bin ich zum fruchtbaren Quell für Ideen aller Art gereift. Ratsuchende oder schlicht überforderte Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch Privatpersonen mit Sendungsbewusstsein lassen sich von mir mit angenehmen Formen für ihre Inhalte versorgen. Ich habe gute Erfahrungen mit sogenanntem Ghostwriting gemacht — sowohl in Buchform, aber auch für Reden oder Beiträgen in Zeitschriften —, kann mir aber auch Ihren Ton anverwandeln, um beispielsweise Ihre Newsletter zu verfassen. Ein geglücktes Beispiel ist meine jahrelange Zusammenarbeit mit Melanie Dal Canton für mdc-cosmetic.com.

TV

Seit 2017 moderiere ich an der Seite von Oskar Roehler die Spielfilmreihe «Skandal» des TV-Senders Tele 5. Die Reihe wird zweimal im Jahr ausgestrahlt.

BOTANISIEREN



Meine Liebe zur Natur, dort speziell zum Ernten, Spazieren, zu Hasen und Vögeln, begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Mein Verleger Andreas Rötzer ist der Meinung, ich sei wahrscheinlich ein Urban Writer, aber das trifft nur bedingt zu und dahingehend, dass ich auch in den Städten stets nach dem Natürlichen auf der Suche bin. So hatte ich eine mehrjährige Beziehung zu einem Hasen der Rasse Farbzwerg, der am Place de l’Opéra lebte (sein Besitzer war obdachlos). Pinocchio (der Hase) dürfte mittlerweile nicht mehr am Leben sein. Ich habe ihn jedenfalls bei meinem letzten Besuch in Paris nicht mehr wiederfinden können. Eine schöne Auswahl meiner Begegnungen mit Pflanze und Tier wird Ihnen hier zu treuen Händen gegeben.

KONTAKT

email: joachim.bessing@me.com

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