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19.01

19.01.

Das Zentrum der faszinierenden Abläufe im Miteinander ist hier der Tempel. Das Leben dort ist ganz anders, und nicht mit einem in Kirchen vergleichbar.

Obwohl dort alles offen steht — noch nie habe ich die Tore, die es sehr wohl gibt, geschlossen gesehen — bleiben die Abläufe dunkel. Gibt es überhaupt eine Lithurgie, einen Gottesdienst zu festen Zeiten?

Anders als sonst überall gibt es keine Bildzeichen zur Erklärung. Es gibt auch kaum Schilder mit lateinischen Schriftzeichen. Nur für das Notwendigste, bspw. „Toilet“.

Der Hof des Tempels ist oft weiter gefasst als der Innenraum. Beinahe immer gibt es hier eine Cafeteria, zumindest eine Saftbar oder einen Kühlschrank, aus dem heraus Wasserflaschen verkauft werden. Übrigens nicht von den Mönchen selbst, sondern von Personal, eventuell sind es ehrenamtlich tätige, aber all das bleibt hinter der Sprache verborgen; wäre schon zu viel an Interpretation.

Im Tempel selbst ragt ein oft mehrgeschosshoher Buddha auf. Die Statue komplett mit Goldlack überzogen, wobei es in Bangkok sogar eine geben soll, die aus mehreren Tonnen purem Gold gegossen ward — ob’s aber stimmt; bzw. noch?

Ich stelle mir die Begegnung mit diesem gigantischen Idol der Friedfertigkeit und Innerlichkeit, Selbstzufriedenheit auch, gerne bei Nacht vor. In einer noch nicht elektrifizierten Welt. Der Schimmer von hunderten Kerzen in den Wölbungen des Goldes unter dem zum Himmel strebenden Dach des Tempels.

Vom Look and feel ist das ein anderes Glaubenserlebnis als in einer Kathedrale aus erkaltetem, kunstvoll behauenem Stein, in deren Klüften die Gemarterten ausgestellt werden. Beides zielt wohl auf Überwältigung, die klimatischen Verhältnisse spielen eine wichtige Rolle, ein Ort der Begegnung, irgendwann am Tag, zwischendrin, inmitten der Gesellschaft will die Kirche ja vielleicht auch gar nicht sein.

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