Zum Inhalt springen

30.06.

30.06.

Gibt ja einige, zumindest haben sie mir es berichtet, immer wieder, die glauben, dass es der hohe Anteil von Sand ist im Boden, auf dem Berlin erbaut wurde, der ihnen die Energie absaugt, um konzentriert arbeiten zu können. Und auch ich habe nun dort, wo, wie ich beim Kartoffelkauf feststellen konnte, die Erde schwer und dunkel, zugleich sandig ist, eine andere Form des Arbeitens für mich entdecken dürfen. Zu einem Teil wird das wohl an dem Boden liegen, auf dem das Kloster vor 900 Jahren erbaut ward; der schwere dunkle Sand spirituell aufgeladen; vor allem aber bringt die Alleinsamkeit den Durchbruch. Im Gewölbe, wo es Schokolade gab, hatten etliche vor mir Virginia Woolf beschwört.

Vor einem Laden am Gendarmenmarkt, der Planet Wein heißt, steht eine Frau mit Titus Cut, deren tübinger Zungenschlag sich schon beinahe abgeschliffen hat über die Jahre. Am Telefon versucht sie Gäste zur Teilnahme an ihrem Tasting zu motivieren «Und ja, genau, es gibt ein geiles Brot. Und einen geilen Butter…»

Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof fielen uns die grotesken Oberarme auf an einem, der den Friedhof als Abkürzung zu nutzen versteht auf seinem Heimweg vom Gym. Abermals dachte ich an jenen Vormittag, ca 1999 in der Kardinal-Faulhaber-Straße zu München, als eine komplette Lieferung der Kollektion zurückgeschickt werden musste, da sie, aufgrund eines Versehens, aus für den US-Markt geschneiderten Teilen bestanden hatte.

Niemand, zumindest keiner, den ich kannte, passte in die überdimensionierten Kleidungsstücke hinein.

Weiterlesen