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23.11.

23.11.

Auf dem Weg zum Töpferkurs hatte sich die Verzauberung der Welt schon angekündigt: Im ersten Licht des Morgens, das außergewöhnlich gewesen war. Außergewöhnlich fahl. Und davon beleuchtet wurde auch der Park in Pastellfarbtönen dargestellt. Jedes einzelne Blatt war mit Raureif beschichtet. Die letzten Beeren an den Mahonien so milchblau wie Schlehen.

In den Arbeitspausen ließ sich durch den Rahmen des Atelierfensters beobachten, wie auf der anderen Straßenseite ein Pavillon aufgebaut wurde, in dem die Betreiber eines Institutes für Thai-Massagen ihre Eröffnung feieren wollten. In den Räumlichkeiten hatte sich zuvor eine Raucherkneipe befunden, jahrzehntelang, lange schon vor der sogenannten Wende auch, wie unsere Ausbilderin wusste.

Des Geruches wegen musste alles herausgerissen werden. Selbst der Putz von den Wänden: abgeschlagen. Geruch der gerauchten Zigaretten und Pfeifen war freilich gemeint, nicht etwa der des alten Systems.

Später fiel dann wie gesagt Schnee. Und als ich gestern durch den Schnee auf den Wegen zum Wochenmarkt ging, überholte ich drei Frauen, die, wie bei Edward Albee, älter, alt und jung waren. Das Mädchen machte sich über die Gipser lustig, die an einer Fassade den Putz aufrieben und sich dabei in ihrer Mother Tongue unterhielten. Einer von ihnen lachte meckernd, das schien prägnant.

«Wie ein Schaf», sagte das Mädchen, keineswegs out of earshot: «Scheiß Pollacke!»

Das blieb unwidersprochen. Auch unkommentiert. Und ich fragte mich, wie das Mädchen wohl auf dieses antiquierte Schimpfwort gekommen war; woher sie es hatte: von der alten oder gar von der noch nicht so alten dieser drei Frauen?

Im Trockenschrank jenseits des Parkes harrte derweil mein Väsle seines Schrühbrands.

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