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20.3.

20.3.

«Sie haben Glück», begrüßte mich der Autoverleiher. «Mein Herr, dieses Auto ist noch ganz neu, gerade zwölf Kilometer gefahren.» Er überreichte mir das Schlüsselmodul mit einem Zug um den Mund, als ginge es um seine kleine Schwester.

In der Krone der alten Platane vor dem Penny schräg gegenüber prügelten sich die Krähen um die Ruinen ihrer Nester aus dem vergangenen Jahr. Mir war zuvor noch nie aufgefallen, dass entlang der Mainzer Landstraße, die wirklich alles sein könnte, bloß keine Landstraße, so hohe und schöne Bäume standen. Warum wollten diese Vögel aber ausgerechnet hier ihre künftige Generation in die Welt setzen?

Die (traurige) Wahrheit ist: Unser Treiben ist den Vögeln herzlich egal. Sozusagen wurscht (die sie allerdings nicht verachten, sobald sie davon etwas in die Schnäbel kriegen). Aber gleichwie und wieviel Lärm oder «Lieder» wir auch produzieren mögen: Their live, it goes on.

In einem angejahrten Werk eines hessischen Ornithologen, Weltkriegsteilnehmer, las ich, wie er unter dem Donner der Geschütze sich im Graben wand wie ein Würmle und hoch und ungeheuer droben schlug die Lerche. Denn es war halt Frühling.

Das Auto war ein Ford Puma. Sie hatten das Modell offenbar umbenennen müssen, nachdem zu viele die versteckte Bedeutung von Cougar entziffert hatten. Das wiedergefundene Konzert ist aber nicht geeignet für das Rasen auf der Autobahn; Klaviermusik assoziiere ich unweigerlich mit horizontaler Ausdehnung, in die der Mittelstreifen schneidet. Es fehlt ein Beat.

Aber großartiger Sonnenuntergang hinter dem Chem-Park von Dormagen. Himmelweit.

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