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2.2.

2.2.

Am Vormittag brachte der Briefträger die neue Ausgabe der Zeitschrift Das Wetter. Ironischerweise war der Umschlag total durchnässt worden, es hatte die Nacht hindurch geregnet.

Ernst Vollbehr, der Maler, der ja vor allem ein Kriegsmaler war, hatte sich für seine Auftragsarbeiten während des ersten Weltkrieges einen stählernen Helm schmieden lassen, angeblich sogar noch, bevor die Soldaten selbst Stahlhelme bekamen. Er soll auch, nach Arbeitseinsätzen im Herzen der Finsternis, eine tarnfarbene Uniform für die deutschen Soldaten angeregt haben, nachdem ihm aufgefallen war, dass «die dunkelfarbigen Hereros, wenn sie verfolgt wurden, die dunklen Stämme der Schirmakazien in den Dornbuschsteppen umarmten, und die rötlichgelben Hottentotten hielten sich still im rötlichgelben Gestein der Karras-Berge. Unsere Schutztruppler liefen an ihnen vorbei, weil sie sie nicht sahen, und bekamen dann hinterrücks Feuer.»

Es gibt ein Selbstportrait von Vollbehr, da schirgelt er unter seinem selbst entworfenen Stahlhelm hervor in den Spiegel. Auch «Hitlers Autobahnen» hat er gemalt, most truly war er a gun for hire und als es zwischenzeitlich bei einem Einsatz in der Pfalz eigentlich noch zu kalt gewesen war zum Aquarellieren, hat er seine Farben mit Pfälzer Weißwein angerührt. Aber das hilft ja alles nichts, wenn die Kunst nichts taugt.

Nach den Legenden ging ich hinaus, es hatte endlich aufgehört zu regnen, die Luft war frisch und, vor allem: warm. Regelrecht lind, ich ging gleich bis nach Griesheim hinaus. Von den dürren Ästen in den Schrebergärten hingen noch immer dicke Tropfen, darin wölbten und bogen sich Panoramen jener Welt dort am Fuße von Bahndamm und Gleisen. Möglicherweise, dachte ich, war dieser Regen ein letzter Vorhang und jetzt kommt der Frühling zu uns.

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