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19.7.

19.7.

Dass Chaos sich immer gleich schreibt, aber stets unterschiedlich geschrieben wird, habe ich heute in der Früh gelernt. Jeder, der für sich oder andere das Wort Chaos schreibt, tut das anderswo, anderswie, mit anderen Mitteln.

Die Luft war da noch rein, die Sonne erst aufgegangen, das Licht — nur wenige Minuten darauf — aber schon derart grell und scharf, direkt kühl und sezierend, die gelblichen Töne, die versöhnlich wirken können, wirkten jetzt, weit vor sieben Uhr schon, verschwindend gering… Endzeiten, heißt es, sind immer gut für die Poesie. Das mag zutreffen nach dem Ende einer als groß vernommenen Liebe — dann scheint das Herz voll, der Mund stülpt sich wie von alleine vor um als Ausgießer dienen zu können. Doch dann haben wir es mit einem Fall zu tun, der sich als Einziger wähnt; und in Leipzig, im allein stehenden Haus des Literaturinstitutes schreibt jemand «brennt ein Loch in den Tag».

Ich würde ihr oder ihm ein Ausrufezeichen an den Rand malen zur Mahnung; nein, ganz falsch: Ich würde rein gar nichts unternehmen, den Kitsch einfach so durchgehen lassen, wozu noch Korrekturen?

Nichts am Rand. Das Schweigen unterdrückt noch viel zuverlässiger als der Befehl. Selbst der Ministerpräsident von Thüringen gibt der bürgerlichen Presse ein Interview, um sein Schweigen zu erläutern.

Vor ein paar Jahren, das war noch in Frankfurt, ist der Mann einer Hausbewohnerin, Bewohnerin unseres Mietshauses, verstorben und sein Sterbetag wurde eingeschrieben in unsere Erinnerung mit «Er starb am heissesten Tag dieses Jahres.

Die Notizbücher von Peter Handke werden digitalisiert. Zwei davon sind jetzt schon online. Ich nehme an, es werden hunderte werden, die ihn, die uns alle, überleben.

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