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14.9.

14.9.

Aus meinen Notizen: Eine junge Frau fährt vorbei auf einem Rennrad von Peugot. In ihrer Leuchte flackert es gelb auf und der greise Erzähler fängt daraufhin an, nachzudenken, über die Zeit, als die Franzosen noch gelbe Scheinwerfer hatten.

Undatiert. Was mich aber im Nachhinein doch sehr bedrückt hat an unserer Ausfahrt, war die universelle Staatsfeindlichkeit dort im Hinterland von Dresden. Klar, man hat es angenommen, hatte schon viel von den Sachsen gehört, aber es hat mich dann doch erstaunt, bishin zu mitgenommen, wie beispielsweise den Speisekarten dort oft ein laminiertes Blatt (Din A 4) vorgeheftet war, auf dem der Wirt sich ausschweifend zur sog. Corona-Politik verbreiten wollte.

«Eine seltsame und belastende Zeit» war nur eine von vielen derartigen Formulierungen, angesichts derer ich freilich an einen Code denken musste. Die Leute dort waren ja zensurerfahren und bildeten sich zurecht auch etwas darauf ein.

Trotzdem: Es ist und war beklemmend, außerhalb von Dresden in eine wunderschöne Landschaft aus schweigsamen Dörfern vorzustoßen, an deren Straßenrändern die Slogans von AFD und NPD beständig schamloser und ungehemmter wurden (letztere Partei hat sich ja aus den Stadtbildern gänzlich zurückgezogen; agitiert nur noch die Arbeitslosen auf dem Land). Dann ist dort beispielsweise eine Skin-Renee zu sehen mit blond gefärbtem (Haupt-) Haar: «Finger weg, Nafri! Ich bin kein Freiwild!»

Et cetera.

Man ist es offenbar gewohnt, durch TV und Artverwandtes jederzeit und «bis in die Spitzen» informiert zu werden. Aber das zeigt sich dann vor Ort als Illusion.

Und genau das, beziehungsweise andersherum: also dort durch eine Terra incognita, einen deutschen Rust Belt zu cruisen, war dann andernfalls wieder halb der Genuss…

Einer, der seltsamen Art.

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