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12.3.

12.3.

Heute früh ist mir dann eingefallen, dass ich eine wesentliche Komponente der Erinnerung an diesen Abend weggelassen hatte. Und ausgerechnet den Rahmen.

Waren wir doch auf dem Hinweg zu unserem unverhofften Picknick al fresco auch an jenem Haus in der Nähe unseres eigenen vorbeigegangen, in dem eine uns bekannte Katze lebt. Allen Katzen, die wir kannten, geben wir Namen. Manchmal erfahren wir auch nie ihren wirklichen und so bleibt es dann bei dem von uns an sie verliehenen. Oft ist es auch so, dass, wenn wir beizeiten ihren eigentlichen Namen erfahren uns der von uns erdachte trotzdem besser gefällt. Und im Falle jener Katze gestern, Schirmle Meier, ist es eine Kombination aus beidem.

Schirmle Meier also saß dort droben auf einem Fenstersims im ersten Stock bei Festbeleuchtung und blickte herunter auf das Trottoir und die Straße, wo sie bei Tag oft genug selbst saß. Und mir, der nur ganz zufällig an der Fassade empor geschaut hatte, um dort die auf uns herunter blickende Katze zu entdecken, kam es dann freilich so vor, als beobachtete sie uns; erkannte uns sogar wieder?

Der übrige Abend, der wie erzählt unter freiem Himmel stattfand, fand damit in Schirmle Meiers Augen statt. Er wurde von ihrer teilnahmslosen Beobachtung gerahmt.

Angeblich gibt es einen Scherz unter Orchestermusikern, da beißt man in eine Zitrone, während ein Flötist oder ein ähnlicher zu einem Solo ansetzen will. Ebenso angeblich sorgt allein der Anblick eines in eine Zitrone beißenden Kollegen bei dem Solisten dann für einen Speichelfluss von Pawlowscher Dimension, die ihm sein Solo versaut.

Das ist der Stoff, aus dem wir gemacht.

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