18.07.
Das Becken hält in seinem Wasser noch die Wärme des Tages vor dem Regen. Heute ist es kühler.
Professor Stürmer ist gestorben. Ich erfahre es aus der Zeitung. Wie es sich gehört. Eine Zeit meines Lebens lang waren wir Nachbarn. Durch Sparmaßnahmen, die es ja damals, wenn nicht immer schon, gab, war aus einem zuvor großzügig geschnittenen Büro eine Doppelwabe mit Trennwand gemacht worden. War Professor Stürmer im Haus, konnte ich ihn durch die Membrane hindurch hören. Kuriose, oftmals waren es anheimelnde Telefonate. Beispielsweise, wenn er jemanden am anderen Ende der Leitung anwies, ihm einen Platz in der Abendmaschine reservieren zu lassen.
Für das Ressort lieferte er scheinbar anlasslos längere Texte, die sich beispielsweise mit einer Kanne aus dem Silberschatz der Fugger von Augsburg beschäftigten, die in einem Auktionshaus in London zur Versteigerung gekommen war. Bei der Übergabe solcher Texte an mich kam es dann auch zu Gesprächen, die über die üblichen Grüße nach dem Wochenende hinaus führten.
Auf meinem Badetuch sitzend, rechnete ich mir anhand seines Sterbedatums aus, wie viele Jahre mir noch bleiben könnten.
Richard Herzinger ist im vergangenen Herbst wesentlich jünger gestorben. Der hat geraucht.