30.03.
Der Unterschied von Stadt zu Land besteht für mich vor allem darin, dass ich in der Stadt mich navigieren lasse, auf dem Land halte ich Ausschau nach dem ersten Passanten und gehe dem hinterher. Ob Bäcker oder Bahnhof: zu einem von den beiden Zielen wird er mich sicher führen. Und beides ist mir immer recht.
Am Nachmittag ging es hinaus zum Katzenbacher Hof. Ultra ländliche Idylle, wie man sie in Brandenburg noch gar nicht kennt. Die von der jungen Sommerzeit noch verstärkte Milde des goldenen Lichts. Kinder hießen dort durchaus auch Apollo. An den Brillengestellen erkennt man auf Anhieb, dass man hier in Stuttgart ist (und zuvor freilich am Besatz der Waldparkplätze).
Anemonen in Weiss und solche in Cremespeisenrosa erheben sich an hauchzarten Hälsen aus dem reschen Laub. Solitär die lange vermissten Schlüsselblumen. Am Waldrand geht die Welt der Vögel nahtlos über in einen Campus des Max-Planck-Institutes. In den gläsernen Facetten bricht sich das scheidende Licht und bringt auf dem Übungsplatz der Hammerwerfer das Aluminium der Fangnetzkonstruktion zum Leuchten. Dann nimmt eine Wiese die Schwingungen auf, der Weißdorn blüht, die Zierpflaumen, die Schlehen und so fort.
Dahinter die silbrigen Türme der Universität, in deren Mensa ich, ca 1989 Sven Väth gesehen habe, der dort 48 Stunden am Stück aufgelegt hat. Oben ohne.