18.03.
Eine Frau macht sich über ihren Salat her. Ich habe wirklich den Eindruck, dass es ihr nicht mehr möglich war, die Nahrungsaufnahme noch hinauszuzögern. Der Waggon der S-Bahn ist voll besetzt. Die Sonne scheint. Sie sitzt direkt neben mir.
Dessentwegen ich meinen Blick auch schwer nur abwenden kann. Der Salat, den sie mit raschem Griff aus dem Rucksack auf ihrem Schoß ans Licht gezerrt hatte, wurde in die ausgespülte Umverpackung eines Schichtkäses gefüllt. Meines Erachtens. Möglicherweise gibt es auch andere Lebensmittel, denkbar wäre auch Hackfleisch, die in solch gerippten, hochwandigen Schalen aus dünnem, weißen Kunststoff verkauft werden.
Sie schlingt den Salat. Zwischen den salatfarbenen Bestandteilen werden mir himbeerhaft leuchtende Partien aufs Auge gedrückt. Immer wieder fühle ich mich vor allem von diesen schwer zu entziffernden Farbimpulsen genötigt, in ihren Salat zu schauen.
Später fragte ich mich, warum man nicht über sämtliche Geschehnisse und Beobachtungen so schreiben kann, als ob sie sich in einem fremden Land, in einer anderen Sphäre ereignet hätten.
Beziehungsweise: Schreiben könnte ich, aber es würde anders gelesen — warum? Woran liegt das? Lassen sich die dieses Leseerlebnis bestimmenden Faktoren ausschalten, beziehungsweise modulieren? Wie? Auf welche Weise? Und so fort.
Kurt darauf widerfuhren mir im hiesigen Postamt oder -Center Szenen — Dabei wollte ich doch lediglich zwei Päckchen auf ihren Weg bringen… Weird scenes inside the gold mine.
Zumindest ist die bestimmende Farbe dort Gelb.