08.02.
Solche Erinnerungen an einen Wintereinbruch in New York haben sich, denke ich, mir auch deswegen so tief eingeprägt, weil ich in New York das krass Elementare des Winters in der Kulisse einer menschengemachten Welt als am malerischsten erlebt habe. Im Gebirge rührt mich hingegen der Frühlingsbeginn.
Zu den Erinnerungen gehören Bilder eines Schauens durch weitflächige Hotelfensterscheiben, aus großer Stockwerkshöhe herab auf die vom Schnee bedeckten Straßen, auf denen kaum jemand fuhr. Mittlerweile war es längst Nacht und der Schnee fiel immer noch. Jahre kam ich in diese Stadt und hatte sie dennoch nie wirklich betreten, denn man bleibt außen in den Straßen, kennt dort nur die Läden, die Restaurants, ein Hotel, bis man jemanden kennt, der hier auch wohnt und der einen schließlich auch zu sich heim lädt.
Der Sommer dann, als ich Emily bei ihrer Mutter in Chelsea besuchen durfte, der selbe Sommer, in dem ich auf einem Fahrrad des Hotels bis weit über den Central Park hinaus am Fluss entlang gefahren war und mit dem Verkehr wieder zurück in die Stadt, hat mir New York erst aufgeschlossen, wie diesen kleinen Gramercy Park neben dem Hotel, zu dessen schwarz lackiertem Eisenzaun man als Hausgast einen Schlüssel erhält, um dort spazieren gehen zu können oder um Zeitung zu lesen, wie den auch alle übrigen Anwohner des Parkquadrats ihr eigen nennen.
Von dort aus, durch die Fensterscheibe eines Zimmers in diesem Hotel, konnte ich abends in die Wohnung eines Hauses gegenüber hineinsehen. Die Wohnung war sehr lang, oder breit, beinahe länger noch oder breiter, als das Hotel. Von einem Salon bis zur Küche waren die Räume in dieser Wohnung entlang der Fassade aneinandergereiht. Vom Prinzip her war es ein Set. Und ich schob mir, wenn es Abend wurde, einen Stuhl ans Fenster, das Licht ließ ich ausgeschaltet, um dem Leben dort in dem Haus gegenüber zuzuschauen.
Das war eine schöne Zeit, die Besuche in New York, diese Zeit ist vorbei. Kapitelet sluttede, wie es im Dänischen heißt.
Übrigens hatte ich vor zwei Tagen schon auf Instagram bei Paul-Philipp Hanske gesehen, dass dort in Bayern oder Franken die Amsel schon singt. Und gestern, um die Mittagszeit, als ich am Straßenrand herumstand wie untätig, ließen mehrere Rotkehlchen ihre silbrigen Instrumente funkeln.
Werden Vögel also eher vom Licht gesteuert, unabhängig von der Temperatur?