18.01.
Hinter dem Rimping-Supermarkt hat es einen weitflächigen Laden für gebrauchte Kleidung. Vieles davon ist noch kaum fünf Jahre alt, wird aber dennoch als Vintage angepriesen.
Das Erscheinungsjahr von Kleidungsstücken scheint unwichtig zu werden. Sekundär allenfalls der Hersteller, es sind die üblichen; kaum etwas davon scheint besonders, ein durchschnittlicher Flugzeugabsturz dürfte in etwa diese Zusammenstellung von Sports-, Leisure- und anderer Casualwear ergeben.
Ihre Aufwertung haben diese Kleidungsstücke vor allem durch den oder die ersten Träger erfahren. Von Besitzern sollte man nicht mehr sprechen. Die Kleidung durchläuft mit jedem ihrer Träger einen Zyklus auratischer Aufladung—sie wurde ausgesucht, erwählt, bezahlt, getragen, erhalten und dann entweder verloren, verschenkt, gespendet oder weiterverkauft.
Ein jeder dieser kleinen Akte lädt das Kleidungsstück vermittels einer minimalen Bestätigung seiner Sinnhaftigkeit auf mit einer Verlängerung eines Daseinsgrundes zum Fortbestand.
Ich sehe das Zwicken der Schaffnerszange silbrig aufblitzen. Im Supermarkt wird eine Steige Eier mit einem Maskottchen beworben, das selbst eiförmig ist und dessen Haut einen bräunlichen Schalenton hat. Es ist bekleidet mit unterhosenförmigen Shorts, die entweder mit der appetitlichen Maserung roher Lachsfilets bedruckt sein sollen oder aus ihnen selbst bestehend. Darüber denke ich seit gestern nach.