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14.01.

14.01.

„Ob ein Mensch Erfahrungen machen kann oder nicht, ist in letzter Instanz davon abhängig, wie er vergisst.“ Frank Witzel stellt diesen Satz von Adorno der erweiterten Neuausgabe seiner Erfindung der Roten Armee Fraktion voran und ich finde, er hat Recht. Also beide.

Ich liege im Nachtzug nach Chiang Mai. Schwer zu sagen, wie schnell der fährt, die Fahrtzeit beträgt wohl 12 Stunden.

Es ist der gleiche Zug, mit dem ich schon in den neunziger Jahren, damals noch von einem anderen Bahnhof in Bangkok aus, in den Norden gefahren bin. Und später, 2010 noch einmal. Wieder mit diesem Zug, wieder von jenem Bahnhof aus, den es noch immer gibt, erst heute früh sind wir an diesem Bahnhofsgebäude, das etwas Französisches ausstrahlt, vorübergefahren. Mittlerweile sind ringsum diesen Bahnhof, der einst solitär auf mich wirkte, stattlich, hohe Häuser gebaut worden. Heute wirkt er auf mich viel zu klein. Unbenutzbar. Obwohl ich es besser wissen dürfte.

Der Zug, unverändert durch diese Zeit, fährt mittlerweile von einem grotesk riesigen, dem neuen Bahnhof, ab, den die Chinesen den Thailändern gebaut haben. Als vorläufigen Endpunkt einer neuen Route von Peking über Laos bis nach Bangkok hinein.

Der Danaer Bahnhof ist auf eine Weise überdimensioniert, selbst die darin eingebauten Toilettensäle sind es, dass ich es als lachhaft und furchteinflössend zugleich empfinde.

Noch aber gibt es diesen Zug. Mit seinen Vorhängen aus rosa Kunstseide, den mild gesteppten Zudecken, dem Plumpsklo und den Hoheitszeichen der Königlichen Eisenbahngesellschaft in Gelb, mittig auf jedem Fenster. Dahinter die Nacht.

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