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04.01.

04.01.

Minus fünf heute morgen — ich kann mich nicht erinnern, wann es zuletzt so schneereich war in Berlin. Am Neujahrsmorgen 2009 war es, vom Cookies her kommend, erstaunlich glatt. Bemerkenswerterweise.

Als ich durch die Hecke in den Park trete, kommt mir eine Skiläuferin entgegen. Ich würde nicht so weit gehen wollen wie John Sunyer in seiner generellen Kulturkritik des Joggens, fand aber die Erinnerung daran, das Joggende noch in den frühen achtziger Jahren wegen des Zweckentfremdens von Verkehrswegen polizeilich verwarnt wurden, wichtig. Könnte einem in Berlin auch heute noch passieren btw.

In der Nähe des Grenzweges, präzise auf der weltbekannten Straße 52b, lässt ein Paar seinen Motor ungestüm aufbrummen direkt hinter mir, weil ich es vorziehe, auf der Mitte der Fahrbahn zu gehen — dort knirscht der Schnee am schönsten für mein Gefühl.

Später, an der kleinen Kreuzung sehen wir uns wieder. Das Gefährt hängt nun in der Kurve auf dem Eisbelag fest. Mit seinen durchdrehenden Rädern ist es zu einem veritablen Käfer geworden, der auf seinem gewaltigen Panzer liegt und mit seinen nutzlos gewordenen Beinchen strampelt. Die Beifahrerin, die mir eben noch eine Geste gemacht hatte durch die Scheibe schaut stur vor sich hin.

Es bezaubert mich, wie die mir vetraute Umgebung sich verändert zeigt, allein durch eine weiße Schicht. Amor vacui.

Sogar die Scheune des Discounters wirkt jetzt erhaben mit ihrem funkelnden Vorplatz. Gleich daneben lebt Pablo, den ich seit dem letzten warmen Tag nicht mehr gesehen habe. Aber weder in seinem Garten, noch an seinem Platz auf der Fensterbank finde ich Spuren. Auch in dem kleinen Hinterhof gibt es ein Palimpsest von Reifen-, Fusssohlen, Amsel- und Nebelkrähenkrallen; sogar Hundepfotenabdrücke kann ich dort entziffern. Aber halt keinen von Pablo. Nicht einmal einen, den Schnee tastenden Schritt.

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