30.07.
Abends in ein Konzert. Das fand statt in einem Pavillon, an dem ich schon seit Jahrzehnten vorbeikomme und mich immerschon frage, was aus dem wohl noch werden wird. Dereinst. Er war schon Altentreff und Blumenladen und Spielhölle und Handtaschenhandlung (ungefähr in dieser Reihenfolge). Jetzt hatte er sich entpuppt als eine Bar.
Je mehr man allein am Bildschirm hängt, desto wichtiger werden kontrollierte Abstecher in die Sphäre der Mitmenschlichkeit. Vielleicht fällt mir das auch deswegen besonders auf, weil ich in den Aufzeichnungen von Hermann Lenz aus den fünfziger Jahren lese, wo er sich beinahe permanent vom Mitmenschlichen umzingelt sieht und seine Abstecher in die Alleinsamkeit sehnsüchtig vor Augen hat.
Als ich am Pavillon eintraf, zu früh, wie immer, war der noch beinahe ungefüllt. Bloss ein kurios wirkender Mann saß dort drin beim Barkeeper, der aber nicht unbeschäftigt wirkte, und mischte Spuren vom USB-Stick.
Alexander, eintreffend: Das ist Spencer Clark. Der Main Act also, der heute noch als Monopoly Star Child Searcher performen würde. Das aktuelle Musizieren vom Stick war für ihn wie ein Teil des Gesamtkunstwerks, in das er den Abend verwandeln würde. Mitsamt allen, die bald noch gekommen sein würden.
Zuvor spielte Mondo Riviera, ein sehr junger Mann, der sich und seinen Laptop auf der Gitarre begleitete. Seine Gesangsstimme sollte dabei nicht mehr als eine siebente Saite sein. draußen vor der Schaufensterscheibe saß derweil für mehr als eine Stunde lang einer und telefonierte über die Freisprecheinrichtung seiner Ohrhörer. Bei einer effektvollen Stelle sprangen sämtliche Straßenlaternen an.
Wenn man sich mit der Philosophie von Spencer Clark beschäftigt, was ich erst im Nachhinein machen konnte, war sein Auftritt kaum mehr als eine Gedankenstütze in Bewegung. Eine Momentaufnahme mit Unschärfen und Lense flares. Aber welch Helligkeit in seinem Licht!
Clemens Setz hat schon noch immer recht: Es geht nichts über Live.