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24.01.

24.01.

Die zwölfstöckige Lotusknospen mit den pagodenhaft spitz auskragenden Balkons ist natürlich kein Kasino, es handelt sich um ein Hotel. Das „Kapok Star“ gehört wie das zu seinen Füßen erbaute Kasino „Kings Romans“, sowie alle übrigen Bauten, die vollendeten ebenso wie die in verschiedenen Zuständen ihrer Fertigstellung begriffenen, zur sogenannten „Special Economic Zone“, die hier ein chinesischer Oligarch auf dem von den Laoten gepachteten Grund am Goldenen Dreieck errichten lässt.

Über die Zustände und Vorgänge, ein Alltagsleben gibt es dort nur in begrenztem Maße, ist nur wenig bekannt. Nach Außen hin ist die SEZ dem Glücksspiel gewidmet, allerdings scheint sie zugleich auch ein rechtsfreier Raum, auf den die laotischen Behörden jeglichen Zugriff verloren haben. Wer dort eintritt, die Überfahrt mit dem Speedboot von der thailändischen Seite aus kostet nicht viel, gibt nicht nur seine Bürgerrechte, er gibt auch, so heisst es, seine Menschenrechte an der aus Holz errichteten Pforte ab, wo laotische Zollbeamte pro forma seinen Pass kontrollieren.

In der Honorarstruktur der neunziger Jahre hätte ich mich wahrscheinlich dorthin übersetzen lassen, um mich in der Zone unzuschauen. Sogar einen eigenen Flughafen hat der Besitzer der SEZ, von dem es heißt, er habe sein Vermögen mit Drogen, Glücksspiel und Menschenhandel erwirtschaftet, hier anlegen lassen. Allerdings habe ich in den vergangenen Tagen kein einziges Flugzeug dort starten oder gar landend gesehen.

Es gibt einen Wikipedia-Eintrag. Menschenrechtsorganisationen haben von dort schon berichtet. Man vermutet ein Zentrum des Südostasiatischen Scam-Industrie dort in den Türmen der SEZ. Wo Verschleppte gezwungenermaßen an Computern fronen, um andere um ihr Erspartes zu bringen. Das Ganze läuft also mehr oder weniger offensichtlich vor den Augen aller ab und rechtfertigt damit doch nur, dass, wer genug Geld besitzt, mittlerweile einfach alles machen darf, was er will. Er muss sich lediglich gut überlegen, wo.

Auf der thailändischen Seite, gleich hinter dem großen Buddha im Blumenboot, lädt die „Hall of Opium“ ein, sich mit der kriminellen Vergangenheit des Goldenen Dreiecks, einem herrlichen Stückchen Land im Grunde, zu beschäftigen. Man zeigt sich sichtlich stolz, dieses Kapitel mit vereinten Kräften zuende geschrieben zu haben. Das Wort Opium ist im Formschnitt aus Buchsbäumlingen in die Wiese gepflanzt. In der Abendsonne schimmert die zwölfstöckige Lotusknospe noch gülden, während der Buddha dann schon im Schatten sitzt.

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