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22.04.

22.04.

Man sollte meinen können, der sog. Kudamm sei mit seinen vier Spuren plus Mittelstreifen breit genug, um einen, vor dem Piazza Brá sitzend, den groben Lärm von visasis vom Leib zu halten, aber gestern heulte dort ein sägendes Heulen ungestüm auf, dass man sein eigenes Wort kaum noch verstehen konnte. Das des Gegenübers gar nicht mehr.

Was schade war, denn mir wurde dort eine anrührende Begebenheit erzählt. Sie handelte von zwei großen Männern, Kritiker der eine, Schriftsteller der andere, die sich nun, nachdem sie ein langes Leben in einer Art von Symbiose miteinander erlebt, sich von Sterbebett zu Sterbebett das Du angeboten hatten.

Das Störgeräusch kam von drei grobschlächtigen Typen, Angestellte der Stadtwerke, die mit auf den Rücken geschnallten Verbrennermotoren und den damit verbundenen Sensen das Unkraut vom Trottoir zu tilgen sich beschäftigt zeigten. Gewiss gibt es weltweit vor allem auf dem afrikanischen Kontinent und in Russland noch Städte dieser Grösse für die zur Erledigung solcher Arbeiten ähnlich röhrendes Gerät eingesetzt würde. In Berlin verfolgt die Verwaltung im Zuge ihrer Kampagne „Autos verbieten verboten“ wohl einmalig auf der Welt zudem den politischen Zweck, die Akzeptanz für fossile Brennstoffe hochzujazzen.

Mein Gesprächspartner, aus Hamburg angereist, konnte hierzu bloss mit dem Kopf schütteln wie ein veritabler Tattergreis in Dieners Tattersall.

Die Raupe eines Lindenspinners seilt sich direkt aus dem sonnigen Blau herab, der laue Wind treibt sie direkt auf mich zu. Als könnte sie schweben.

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