21.06.
An meinem letzten Tag hier vor Ort kam die Katze zu mir zurück. Seit meinem Umzug ins Hauptgebäude hatten wir uns nur noch zweimal gesehen. Auch nur von weitem jeweils. Wie Freunde, die sich auseinandergelebt hatten.
Nun haben wir schon den halben Tag gemeinsam verbracht. Die Arbeit ging mir vielleicht auch ihrer Anwesenheit wegen so gut von der sogenannten Hand. Wie zuvor? Als ob nichts geschehen wäre? Wie eh und je? Selbst hier noch gibt es Entscheidungen zu treffen. Wie Jakob einst meinte, hält er den schreibenden Beruf für den anstrengendsten, weil man andauernd, bei jedem Wort im Grunde, Entscheidungen treffen muss.
Die Anwesenheit eines Tieres, nicht jeden, ist für mich eine Brücke. Wie die Essstäbchen in der japanischen Kultur als Brücke betrachtet werden zwischen dem Mensch und der Welt seines Essens. Ich habe das in einem Reel von Justus Geilhufe erkannt, in dem er seine brütenden Hühner besucht hat. Man öffnet eine Tür in seiner Lebenswelt und dahinter findet sich ein anderer Aspekt des Lebens selbst. Das Leben der Tiere ist anders, es ist roher auch, unbarmherziger. Aber wir schöpfen alle aus der selben Quelle.
Die andere Welt, die manche mit Hilfe anderer Mittler aufsuchen wollen, tut sich für mich mitten in meinem Raum auf durch das Tier. Es kommt zu mir. Ich bin mir sicher, ich glaube daran, dass die Katze es spüren konnte, dass ich morgen früh weg sein würde.