21.02.
Gestern begegnete ich einem Gemälde und, was selten geschieht, ich wollte es unbedingt in meinen Besitz bringen. Ich hatte das Gefühl, dass mir dieses Bild längst gehörte. Dass es mir zugeeignet war.
Und das, noch bevor ich seinen Namen kannte. Es heißt „Die Erfindung der Freizeit“. Als mir die Verkaufsberaterin der Galerie diesen Titel genannt hatte, glomm die Aura der Leinwand noch einmal um mehr auf. Erst recht noch, als Frau Affentranger mit einer entschiedenen Geste einen Vorhang beiseite schob, der bislang ein Fenster zur Straße verhängt hatte. Dieses Fenster hatte sich die Künstlerin zum Vorbild genommen, es lässt sich in ihrem Erfindung der Freizeit recht eindeutig wiederfinden.
So gesehen erkannte ich jetzt auch das quadratische Raster des Holzfußbodens in dem Raum der Galerie, in dem das Bild ausgestellt war, wieder. Auch er war dort in verkleinertem Maßstab gemalt geworden und bedeckte den Grund des Zimmers, in dem die eigenartige elastische Figur in Baststrumpfhosen in ihrem Freizeitsitzmöbel reclinte.
Das dies allem, letztlich sogar dem Raum, in dem sich das alles abspielte, zugrundeliegende Gemälde von Pieter de Hooch heißt „Die Mutter“. In einem sehr ähnlichen Raum, bloß spiegelverkehrt eingerichtet und mit gefliestem Boden, wurde sie im Spannungsfeld zwischen Bett, Kind, Hund und Nähkorb dargestellt.
Die Erfindung hat eine subkutane Botschaft, sie fällt aber nicht ins Gewicht. Das Bild ist eine veritable Augenweide, an der ich mich nie würde sattsehen können. Leider war es schon verkauft.