20.05.
Die Natur ist auf ihrem Peak, wie Dylan zu sagen pflegt. Bloss halt, dass er dann von Gemüse spricht. Ich von den Pflanzen. Von denen, die blühen können, vor allem.
Ich streife jetzt tagsüber stundenlang durch die Kleingartenanlagen, die hier, am Stadtrand des ehemaligen Grenzstreifens, so ganz anders sind, wie man sie sich vorstellen mag.
Es gibt Parzellen. Es gibt Zäune und Tore, aber die Grundstücke sind teilweise unüberschaubar groß und die darauf errichteten Gebäude sind mit den Behelfsbauten von Hüttlern oder Schrebern nicht zu vergleichen.
Ich kenne die politischen Hintergründe nicht en detail, nehme aber an, dass man den Datschenpächtern nach dem Mauerfall zwecks Sicherung des viel beschworenen Gesellschaftlichen Zusammenhalts™ angeboten haben muss, ihre teils schon sehr befestigten Bauwerke in Besitz bringen zu dürfen—jenseits westlicher Ordnung.
Das wird dann in einen Aus- und Anbau-Boom gemündet haben, wie ich in aus der Alten Heimat kenne. Allerdings mit der Eigenheit, dass hier im Osten ausschließlich mit Baumarkt-Materialien gebaut wird. Teils werden die Preisaufkleber und Signets der Hersteller auch nicht entfernt, sondern auf eine beinahe äthiopisch zu nennende Weise stolz herausgestellt.
Es gibt dort nun Winkelbungalows mit Carport, Mini-Tegernsee-Chalets mitsamt Swimmingpools und vermutlich auch Tiefgaragen. Was aber schön ist: Die alte Liebe zur Gartenanlage, Parks en miniature und distinktives Anpflanzen hat sich über die Systeme hinweg erhalten. Überall blüht es bezaubernd schön.
Ich gehe hier derzeit auch viel durch die Botanik um Abschied zu nehmen von dieser Welt. In Jütland blüht es ja verblüffend anders.