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15.04.

15.04.

Schönhauser Allee 182e: Hier traf es mich mit voller Wucht. Gestern, gegen 16 Uhr am Nachmittag. Die genaue Uhrzeit habe ich versäumt, mir einzuprägen — war mit der Hausnummer beschäftigt.

Es war ein Duft. Auf Höhe 182e roch es nach Bretagne. Nach einem Ort meiner Kindheit. Einem versunkenen Zentrum der Erinnerungsmagie.

Schnüffelnd hielt ich zunächst einen mir versperrten Hof hinter eisernen Toren für die Quelle für diesen Wohlgeruch — nahmen den andere auch wahr? Doch dort befand sich lediglich der Spielplatz einer Kirchengemeinde.

Besagten Duft sandte ein Balken aus, Bestandteil einer ehemaligen Bank an einem zierlichen Gewächs der Stadtraumbegrünung. Beide mit eher negativer Zukunftsperspektive beschert.

So stammte der mit meiner Kindheit verknüpfte Duft der Bretagne dort eher nicht von den Austerschalen, der Feuchtigkeit im beige-grau vibrierenden Sand oder dem Schwärzeln der Bunker, die darin schief eingesunken zugleich daraus emporwuchsen wie Pilzkappen.

Dieser spezielle Duft, den ich bislang also falsch einsortiert hatte (oder abgeheftet), entströmte demnach den faulenden Hölzern, schwarz glänzenden Balken, wie jenem der gewesenen Bank 182e, die es dort in der Bretagne ja ebenfalls in ähnlicher Form oder Verfassung gegeben hatte. Bloß waren sie mir damals weniger ortstypisch oder überhaupt auffällig erschienen.

Holz gab es ja schließlich überall.

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