15.01.
In der letzten Folge von Kulinarischer Klassenkampf erklärte ein Juror das vorrangige Kriterium der Entscheidungen: „Wir sind hier auf der Suche nach einem verbindenden Element, das ein Gericht zusammenzubinden schafft.“ In der Gesellschaft, die meines Wissens nach nicht mit einer Speise verglichen wird, besteht dieses Element, das hier alles zusammenhält in einer andauernden Rücksichtnahme aus Respekt vor den anderen, die den großen Fluss, ein Fließen in Gemeinsamkeit aber nicht etwa staut, sondern tatsächlich erst ermöglicht.
Am augenfälligsten, spürbarsten auch, im Straßenverkehr, der zwar Verkehrszeichen kennt und auch Ampeln und Zebrastreifen et cetera aber all dies auch wiederum nicht benötigt, weil dort zu jeder Zeit und in jeder Verkehrslage stets so gefahren wird, dass ein Fussgänger ohne weiteres eine vierspurige Hauptverkehrsader zur Rush Hour überqueren kann, ohne sich oder irgendetwas befürchten zu müssen.
Er wird von den anderen Verkehrsteilnehmern, gleich ob im Muldenkipper oder auf einem hochaufgetürmt beladenen Moped unterwegs, geschmeidig umflossen, als ob er ein Kiesel wäre. Oder Treibholz.
Derzeit wurden in Wat Song die Trottoirs, bislang seit Jahrzenten schon mit rötlichen Zementplatten gepflastert, abgerissen und durch eine aus Beton glatt gegossene Alternative ersetzt. Dieser Komplettabriss der Fussgängerwege in einem stark vom Individual- wie Lieferverkehr befahrenen Viertel fand ohne Straßensperrungen statt. Es wurden über viele hundert Meter noch nicht einmal Schilder aufgestellt.
Am Boden Arbeitende strichen den neuen Belag schon glatt, während vor ihnen noch Haufenweise zu Schutt zerbrochene Gehweggplatten sich türmten. Und Lastentragende, Fahrende, nach Taxis Rufende oder sich Umsehende, Katzenstreichelnde, Kaffeetrinkende und Müßiggänger schlängelten sich umeinander herum, balancierten aneinander vorbei. Alles, wie es heisst, ging seinen Gang.
Exotisch, Oh ja. Utopisch schon beinah.