14.06.
Auf dem Weg zum Supermarkt ging mir auf dem ersten Abschnitt, der an der Friedhofsmauer vorüber, am Weingarten und dem darauf folgenden Waldrand entlang führt, ein Mensch voran. Das war mir zuvor noch nie vorgekommen. Auch im vergangenen Jahr nie. Und ich bemerkte, obwohl so unheimlich viel Raum um uns beide herum war, dass er mich störte.
Warum aber, dachte ich später darüber nach, störte mich ein Mensch aber keines der vielen Tiere, die mir hier andauernd begegneten. Von Großen bis kleinen, stehenden, krabbelnden, fliegenden bishin zu den schleimenden?
Womöglich weil ich bei aller Liebe kaum etwas weiß von ihnen und gar nichts von ihrer Welt. Heidegger stritt sogar ab, dass es eine Welt der Tiere gibt und sprach von ihrer Weltarmut. Relativ zu seiner Weltlosigkeit eines Steins.
Heute früh wurde ich zu einer Stätte der Grausamkeit gerufen. In der Nacht, in der es heftig geregnet hatte, muss sich ein Raubtier in das Wurfhaus der Katze geschlichen haben. Von vieren hatte sie jetzt nur noch drei Kitten übrig. Das vierte wurde zum Opfer des nächtlichen Raubüberfalls. Da das Haus aus massivem Holz gefertigt wurde, konnten wir es zu zweit unmöglich in den Innenhof tragen, wo die schwere Pforte eine Wiederholungstat zu verhindern helfen könnte. Wir beschlossen, die Katze mit ihren Kitten in den Gewölbekeller umzuziehen, wo wir ihnen in einem selten benutzten Waschraum ein neues Heim einrichten könnten. Anfänglich weigerte sich die Katze jedoch, ihr angestammtes Haus aufzugeben. Erst mit Schinkenstücken ließ sie sich nach der Methode Hänsel und Gretel über den Innenhof in den Keller hinunter locken.
Die Kitten noch nicht einmal drei Wochen alt. Ihre Augen noch blau und ein wenig trübe, aber das Fell ist mit Zeichnung voll da. Von ihnen kein Laut. Womöglich auch keine Erinnerung an den nächtlichen Zwischenfall. Keine Katastrophe. Keine Erinnerung an das fehlende Geschwister.
Soweit mein Einblick in die kätzische Welt.