Zum Inhalt springen

12.04.

12.04.

Ein Zusammenleben mit den Katzen mündet für mich immer wieder wie zum ersten Mal in ein Bewundern ihrer Eleganz. Ihrer Geräuschlosigkeit, der Geschmeidigkeit, kurz: einer Anmut, die die Katzenhaftigkeit seit jeher definiert; seit Menschen an Katzen denken. Seit einer neunmal lebenslangen Zeit also mindestens. Seitdem der Tschad noch See war, auf jeden Fall.

Im Spiel mit der Katze nehme ich vielleicht ein kurzes Stück Lederband, das sich zwirbeln lässt, woraufhin es sich in unvorhersehbaren, kreatürlich wirkenden Zuckungen über den Teppich fortbewegt. Es dauert eine ganze Weile, bis die Katze ihren Willing Suspense of Disbelief aktiviert. Dann übernimmt der Instinkt.

Gerät meine Hand im weiteren Verlauf unseres Spiels in ihre Reuse aus Pfoten und Kiefern, sind es zwanzig Krallen, die für Katzen die Funktion von Fingern besitzen, die klingenscharf nach mir greifen, um unter meiner Haut Halt zu finden. Vier Pfoten und zwanzig Klingen, um etwas zwischen ihre mit nadelartigen Reißzähnen besteckten Kiefer zu zerren.

Mich rettet allein unser Größenunterschied.

Das selbe Tier, das ich eben noch für seine Anmut bewundert habe, kann jederzeit in eine pulsierende, um sich schlagende Mördergrube eskalieren. Wenig später liegen wir beieinander und halten gemeinsam Mittagsschlaf.

Früher im Leben hatte ich eine Faszination für Schusswaffen. Für die Schwere des Metalls, seinen blauschwarzen Schimmer.

Mit den Katzen verhält es sich ähnlich, fürchte ich.

Weiterlesen