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08.07.

08.07.

Wenn, wie derzeit üblich, der Regen schlagartig aus den Wolken fällt, jagen die Mauersegler wie aus dem Nichts heran und retten sich, anscheinend, ohne abzubremsen, in die Spalte zwischen unserem und dem Nachbarhaus. Das spielt sich auf der Höhe meines Fensters ab. Auch höre ich sie dann kraspeln in der Wand hinter dem Platz, an dem ich schreibe. Und an dem ich übrigens gestern einige Stunden lang mit einem heldenhaften Ringen mit der Bürokratie mich wiederfand. Siegreich letzten Endes. Wider Erwarten (was das Schönste ist.)

In einer Regenpause begegnete uns abends ein Fuchs im Park. Ich hatte ihn schon von weitem entdeckt, als Silhouette, sie sind ja so dünn, charakteristischerweise, dann kam er uns aber entgegen und erwartete eindeutig ein Futter von uns. Tollwütig oder anderswie krank war er nicht. Aber mager.

Wie der Waschbär steht der Fuchs mit den Wildschweinen hier in der Stadt auf einer Liste, die ihn als Wildtier festhält. Ob er in die Kategorie Stadttier aufrücken wird, wie beispielsweise Tauben und Nebelkrähen, ist eine Sache der Regionalpolitik. Als Stadttier hätte er Rechte, als Wildtier wird er bejagt.

Jahrelang habe ich mich in der Tierschutzgruppe der Partei mit solchen Fragestellungen beschäftigt, um womöglich etwas gerechtes bewirken zu können. Letztlich habe ich mein Engagement dann aber eingestellt, weil die Tierschutzgruppe fusionieren sollte mit der Tierschutzgruppe einer anderen Partei. Schließlich sei man doch in der selben Sache unterwegs. Das sehe ich anders.

In der Regionalpolitik hat man es aber oftmals mit Leuten zu tun, für die eine Partei wie ein Verein ist. Die Zusammenkünfte sind angenehmer Zeitvertreib, man „kommt unter Menschen“, hat etwas zu tun. In Großstädten sind manche darauf angewiesen. Volleyball ist nicht jedermanns Sache. Allerdings verbrauchen diese Leute auch viel von der Zeit, die man konstruktiv nutzen könnte, um etwas gerechtes zu bewirken. Am Ende ist es vielleicht auch egal. Der Fuchs ahnt von alledem auch nichts.

Wie in jedem Sommer habe ich auch zu Beginn diesjenigem dem Feuilleton mein Angebot gemacht, über den Seltsamen Abschied zu schreiben. Für mich das Sommerbuch schlechthin! Außerdem war ich ja gerade erst in der Lenzstadt, die auch meine war, die Eindrücke sind noch farbfeucht.

Freilich ist auch in diesem Sommer kein Platz dafür. Das Gute an den niedrigen Zeitungshonoraren ist, dass es egal ist, wenn etwas angelehnt wurde. Es fällt längst nicht mehr ins Gewicht.

Außerdem muss ich annehmen, dass ich bloß nach einem Vorwand gesucht habe, um das Buch wiederlesen zu dürfen. Denn jetzt ist seine Zeit. Tatsächlich zeigt es sich von wieder anderen Seiten. Beispielsweise war mir entfallen, vielleicht hat es zuvor nie eine Rolle für mich gespielt, dass Eugen Rapp in dem Band 55 Jahre alt ist. Und auf der Seite 101 kommt mein Heimatdorf namentlich vor.

Der Bademeister hier im sogenannten Sommerbad hat sich heute früh, als ich dort saß und las, bei mir beschwert, dass es so kühl sei. Und es stimmte, außer mir war niemand da. Das Wasser blau, aber nicht glatt, da von den Winden gekräuselt. Und im Gebüsch vermutlich der Fuchs.

Das sind alles Dinge und Beobachtungen, die viel zu klein sind für ein Feuilleton. Wo sonst sollte ich die Nebensachen hineinschreiben, wenn nicht hier?

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