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08.06.

08.06.

Der ganz im Schreiben verbrachte Tag hat magische Qualitäten. Auch schwarzmagische, allein wie dabei die Zeit verfliegt. Man erwacht, trinkt Tee und wenn man das nächste Mal aufschaut, steht der Abend schon draußen. Wohin der Tag verschwunden ist, ist schon wie Zauberei.

Ich denke, darin liegt für viele Schreiber der Grund, mit dem Trinken anzufangen. Nicht, um sich zu inspirieren. Um etwas intensives noch zu erleben in der wenigen Zeit, die ihnen übrigbleibt. Im Effekt erreichen sie natürlich das Gegenteil. Und haben für gar nichts mehr Zeit. Oder wie Juergen Teller das mal erklärt hat: Saufen ist ein Fulltime job.

Auf der Lesung von Christoph Peters neulich, hat der das Dilemma anschaulich gemacht: Er brauchte in seiner aktiven Zeit erst ein paar Stunden, um sich arbeitsfähig zu trinken. Dann blieben ihm genau anderthalb Stunden, um zu schreiben, bis er zu betrunken war, um noch irgendetwas anderes zu machen, ausser zu trinken.

Ich gehe hier abends die fünfeinhalb Kilometer zum Strand. Der Weg führt durch eine menschenleere Natur. Ich gehe dem Anderen in seiner Gänze entgegen.

Kommt es zu Begegnungen, dann mit Tieren. Vor Tagen flog mir ein Kukuck hinterher, rufend. Er landete von Busch zu Busch so, dass ich ihn dabei nie zu sehen bekam. Nur zu hören.

Andernabends störte ich einen Fuchs, der inmitten eines weiten und breiten Feldes aus fluoreszierendem Getreide saß. Als er mich wahrgenommen hatte, sprang er in hasenhaften Bögen durch die Weite davon, tauchte ab in ein Gebüsch. Heute sah ich einen Schwan. Der flog in geringer Höhe vor dem dunklen Waldrand entlang. Vom Meer aus kommend, ich weiss nicht, wohin.

Und Quallen natürlich. Pferde und Schnecken. Quallen haben kein Gesicht.

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