Zum Inhalt springen

07.09.

07.09.

Gestern vormittags im Freibad. Wohlig gab ich mich meiner Illusion hin, ich säße am Rand meines Private Pools „Gottfried“. Wer keinen Eintritt zahlen muss, der spürt auch keinen Zwang, sein Geld abzuschwimmen. Außer mir nur eine weibliche Gestalt, wir blieben uns fern wie die Segel. Sie mit goldener Badekappe. Wie mein liebster Kegel bei Fang den Hut.

In der Sonntagszeitung schrieb einer, den ich für einen Romantiker halte, wie es Deutschland in Zukunft gelingen könnte, den Supertankern der sogenannten Schattenflotte ihr Handwerk zu legen. Ich war empört. Aber nur gelinde. Denn die Waffe, um die es gehen sollte, war die Bürokratie. Zumindest da war ich davon ausgegangen, es liefe von selbst?

Peter Rühmkorf, in dessen Tagebücher aus dem Jahr 1989 und 90 ich derzeit wieder lese, verwendet den Begriff der Schattenwirtschaft. Und meint damit das kreditfinanzierte System der DDR, in dem die Literaten ihr Auskommen gefunden hatten und nach dem Ende dann plötzlich nicht mehr, was seiner Ansicht nach dazu geführt hatte, dass diese plötzlich Geldnot leidenden Literaten aus der Zone den Bücherkunden der BRD angepriesen wurden wie Pfirsiche im September.

Ich mag auch noch Schattenkabinett und Schattenreich. Die deutsche Übersetzung von Shadow Ticket gefällt mir freilich überhaupt nicht.

Auf der Medienseite, dem Schattenreich des Feuilletons wurde mir das Hörspiel Reich des Todes empfohlen. Eine Produktion der ARD. Wie schon in ihrer regulären Mediathek für Videoinhalte ist es auch in ihrer Phonothek Sounds nur unter Umständen möglich, dieses Hörspiel dann auch konkret zu finden. Dadurch beinahe unbotmäßig auf die Folter gespannt, kommt auch noch ein Disclaimer, Explicit Lyrics, Rohe Gewalt.

Ein Hörspiel aus dem Reich der ARD mit sämtlichen Teams-Chats, Mails, Telefonaten und Konferenzen, deren konzertierter Stimmenwirrwarr letzten Endes zur Produktion des Reich des Todes geführt haben, wäre es halt (für mich).

Weiterlesen