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06.08.

06.08.

Als Rekonvaleszent betrat ich den schattigen Verkaufsraum des kleinen Asiatikaladens an der Florastraße. Die Chefin, sonst immerzu im Telefonieren begriffen, schlief hinter ihrer Kasse. Der Kopf ruhte in der Armbeuge.

Leise, um sie ja nicht aufzuschrecken, bewegte ich mich auf das Hinterzimmer zu. Aus einer Tür, die in den Kühlraum führte, trat der Chef und ging grußlos an mir vorbei, um selbst auch kein unnötiges Geräusch zu produzieren. Er nahm eine Kunststoffschüssel an sich, in der sich Früchte stapelten, und verschwand in seinem Ruheraum.

So will ich sein. So mich durch Räume bewegen. Wie man schreibt. Als ein Geist.

Die Freude am Wiederkehrenden, an seiner Schönheit, mag in der Erfahrung mit dem Lauf der Jahreszeiten gründen. Sie sind ja stets die selben und doch immer ganz anders und neu. So wie ein Buch, dass man sich noch einmal vornimmt, um darin zu lesen. Man denkt, man hätte es gelesen, ganz, und hat ein Bild von dem, was man gelesen hatte, in sich bewahrt. Und trotzdem kann es, weil man sich selbst halt anders durch die Zeit bewegt als dieser Text, beim Wiederlesen ein ganz neues Buch, vielleicht sogar ein anderes sein, als gedacht.

So geht es mir derzeit mit Hermann Lenz. Ganz erstaunlich. Überraschend. Und belebend. Stand heute würde ich sogar sagen: Im nächsten Sommer nehme ich ihn mir wieder vor.

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