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05.04.

05.04.

Das Ausmaß dieser Zerstörung, deren Hergang ich mir nach dem Vorbild von Rubens‘ Jagd auf Nilpferd und Krokodil auszumalen suchte, war auf die ersten Blicke, auch auf die eingehenden, schwer nur abzuschätzen. Vor allem als dann in der Nacht der kleine Kater sich konvulsivisch zu erbrechen begann und
damit auch nach Morgengrauen noch nicht einhielt, dämmerte uns gleichsam, dass auch in dieser Katze etwas kaputt gegangen sein musste.

Offenbar, das stellte sich im
Verlauf der Spurensuche heraus, hatte das Tierchen eine unserer Orchideen vertilgt. Und zwar, wie es die Art dieser Fleischfresser war: auf zerreissende Weise. Das Fehlen des Blumenstocks war uns zunächst gar nicht aufgefallen. Aber wie nach einer Detonation, wenn der Dampf sich verflüchtigt hatte, fanden wir nun Fetzen von Orchideenblüten und -blättern überall.

Eine blitzhafte Recherche ergab, dass Orchideen „mittelschwer giftig“ für Katzen wirkten. Die Mitarbeiterin einer Tierarztpraxis war eben dieser Meinung, hatte vermutlich einen ähnlichen Prompt eingegeben und schickte uns umgehend in die Notaufnahme einer Tierklinik am Kurt-Schuhmacher-Platz in der ehemals französisch besetzten Zone.

Dort saßen wir, die scheu umherblickende Katze in ihrer mit Gucklöchern ausgestatteten Tragetasche zwischen uns aufgestellt für mehrere Stunden in einem Wartezimmer, das Ausblick bot auf ein ausladendes Zierfischbecken. Andere Patienten waren (im Auswahl): Eine kuhhaft schwarz und weiß gefleckte Dogge, eine Schildkröte, die in einer umfunktionierten Teigschüssel residierte, sowie andere Hunde und weitere Katzen. Vogelbesitzer kamen, so lange wir uns dort aufhielten, keine herein. Die Notaufnahme der Tierklinik hat an jedem Tag in der Woche rund um die Uhr durchgehend geöffnet.

Schade eigentlich, dass es keine Zeitungen mehr gibt, in denen das in den neunziger Jahren noch beliebte Format „24 Stunden in…“ abgedruckt würde. Ich zumindest würde das gerne noch lesen.

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