06.02.
Seit dem vergangenen Jahr verwende ich eine fortschrittliche Wettervorhersageapp. Das Abonnement ist kostenpflichtig. Die Investition lohnt sich für mich. Als vorgestern ein nächtlicher Eisregen angekündigt wurde, war ich auf dieses Ereignis gespannt.
Auf die Stunde pünktlich wurde ich von dem spezifischen Geräusch geweckt, das dem Eisregen dieser Güte wohl eigen ist. Zuvor hatte ich es noch nie wahrgenommen. Durch den Hinweis der App auf das Außergewöhnliche eingestimmt, konnte es mir nicht unterlaufen.
Seitdem zeigt sich im Stadtbild eine zunehmend malerische, mich an winterliche Aufenthalte in New York erinnernde Situation aus haufenweise in Beige verfärbten Schneedeckenresten, die durch wiederholte Prozesse des Angetautwerdens und Wiedergefrierens zu einer Konsistenz von feinkörnigem Slush Ice verarbeitet wurden.
Das Knirschen ist schön und hat, wäre man jetzt Geräuschesammler, ebenfalls eine seltene Charakteristik, die ich mir einzuprägen vorgenommen habe…
In den Erinnerungen an New York kommt vor allem auch ein veritabler Platzregen während eines Aufenthaltes im Februar zur Geltung, der mich, wie so seine Art sein soll, überraschte, während ich unpassend gekleidet und auch sonst ohne Schutz, meilenweit von meinem Heim auf Zeit in den Straßen abseits des Broadways unterwegs gewesen war.
Regen ist Regen, aber dort war das Merkwürdige, dass, wie es mir heute scheint, binnen Augenblicken an den Kreuzungen Händler aufgetaucht waren, die für fünf Dollar Regenschirme zum Kauf anboten. Eingebrannt hat sich mir ihr monotoner Singsang, den ich bis heute noch hören kann, wenn ich den Regenschirmverkäufern von Chelsea und Midtown gedenke: Umbrellaumbrellaumbrellaunbrella…
Inspiration für Prince Of Peace von Pharoah Sanders, dessen grandiose „Promises“ ich vorgestern abends von der besten Anlage Berlins zu Ohren geführt bekam?
Woher die Regenschirmverkäufer so rasch gekommen waren, tatsächlich wie Pilze aus dem Boden, weiß freilich kein Mensch.