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02.06.

02.06.

Die fundamentale Veränderung zu meinem vorangegangenen Aufenthalt bringt aber mein Erwerb der dänischen Sprache. So rudimentär er auch sein mag: Ich kann jetzt alles lesen. Und eben nicht bloß entziffern und raten. Es ist wie damals, als ich in den Ferien vor der Einschulung Lesen gelernt hatte (mit einem Biene Maja-Heft) und mit einem Mal hatte die mir vertraute Welt eine riesige Dimension dazugewonnen.

So nehme ich auch hier Schilder, groß und klein, im vorübergehen auf. Und plötzlich weiß ich, wo ich hier bin, beziehungsweise war im vergangenen Jahr „Ach, das ist ein Altersheim“.

In einer Gegend, die hauptsächlich von Landwirtschaft geprägt ist, fällt es freilich schwer auf sein Tagwerk stolz zu sein. Draußen röhren sie von früh bis sehr spät auf hausgroßen Feldmaschinen vorbei und ich kann einfach nicht länger als sechs Stunden schreiben. Konnte ich noch nie. Wobei die Arbeit dann nach dem Eintippen von Text noch lange innerlich weitergeht. Aber das sieht mit der Landwirt halt nicht an. Schon greift die protestantische Komplexmechanik.

Was ich an der nördlichen Landschaft so angenehm und geradezu ansprechend finde im Gegensatz zu der meiner Herkunft: Alles ist so gepflegt und manierlich. Ein Bauernhof schaut hier so aus wie er ist: ein produzierender Betrieb. Eine Grundstofffabrik. Die in- und aneinandergebaute Hütten- und Barackenästhetik meines Heimatdorfes ist hier unbekannt. Rot und makellos die Bauten hier nebeneinander aus den wogenden Grasmeeren. Wie Bücher in einem Regal.

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