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02.04.

02.04.

Kaum, dass ich vor gut zwei Wochen in Leipzig eingetroffen war, fiel mir dort am ersten Morgen der Code meiner Armbanduhr nicht mehr ein. Dass ich sie nicht länger auf diese Weise entriegeln konnte, sondern fortan mein Telefon dafür zu benutzen hatte störte mich nicht so sehr, wie der Gedanke, der sich mir aufgedrängt hatte: Dein Gedächtnis lässt nach.

Da der Code simpel war und zudem über eine Eselsbrücke aufgebaut, die ich für felsenfest gehalten hatte, machte die Sorge nur schlimmer. Aus dem Traumgeschehen an Land gestiegen, waren mir auf dem nassen Zettel nicht einmal mehr Schatten der vier Ziffern geblieben. Nach einigen Rateversuchen sperrte sich das Gerät für eine längeren Zeitraum vor mir selbst ab. Ich gab es auf.

Immer wieder kam es in den vergangenen Wochen zu Momenten, in denen ich mir sicher war, dass ich die Kombination nun wieder wüsste. Jedes Mal zeigte mir das Unbestechliche, dass ich auf mich selbst hereingefallen war. Unaufhörlich blieb meine Sorge, bald auch auf weitere Bereiche meines Gedächtnisses nicht mehr zugreifen zu können.

Dass ich es schwer nahm, womöglich auch unangemessenerweise, erzählte mir viel, wenn nicht alles von meiner größten Furcht. Dass ich die Uhr nicht auf ihren Urzustand zurückversetzen wollte — der einzige Weg, ihren Code zu ändern — hing eben daran, dass ich es nicht wahrhaben wollte, dass es sich vollzog.

Gestern, im Verlauf einer Alltagshandlung und für einen Moment abwesend, gab ich den passenden Code ein. Die Erinnerung daran lag in meiner Fingerspitze.

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