31.07.
In der Straßenbahn saßen mir Tochter und Mutter gegenüber. Die Tochter war in meinem Alter. Ich war zugestiegen, da währte ihr Streit wohl schon seit geraumer Zeit.
Die Tochter, die außergewöhnlich lange Beine hatte und einen schönen, breiten Mund, zog jetzt ihr Telefon heraus, um ihrer Mutter Aufnahmen anzubieten von den Enkeln, die diese noch nicht kannte. Ein Allheilmittel. Wohin zu einer anderen Zeit dieser Streit noch geführt hätte!
Unter der einträchtigen Betrachtung der Erinnerungsbilder versäumten sie knapp ihre Haltestelle. Beide blieben heiter gestimmt. Auch wenn sie nun, es regnete mal nicht, ein paar hundert Meter weiter gehen mussten als es nötig gewesen war. Als sie den Waggon verließen, rief mir die Tochter noch ein Abschiedswort zu.
Das sind die Begegnungen, wie es sie nur in der Stadt geben kann, dachte ich, da schon längst umgestiegen in eine S-Bahn, während ich dachte schaute ich auf den Friedhof an der Invalidenstraße herunter im Vorübergefahrenwerden, wo eine kleine Gruppe sich in der Frühe um ein offenes Grab versammelt hatte.
In der Kantine der Staatsbibliothek hatte man sich wieder einiges vorgenommen: «Zucchini Jerk Style» und Boeuf Bourgignon — neulich fand ich dort schon German Hotdog mißraten (insgesamt zu süß und überhaupt insgesamt).
Trauben sind die fruchtigen Vehikel in den Herbst. Bei Netto gab es welche aus Italien. Mächtig wie in Kanaan.