Zum Inhalt springen

29.08.

29.08.

Meine Furcht vor meinem Tod hat sich mit dem Tod meines Vaters auf ein für mich angenehmes Maß reduziert. Ich beziffere sie auf einen Anteil von ungefähr 20 Prozent meiner Freude am Dasein. Da er nicht mehr ist, ich ihn aber mehr denn je um mich weiß, kann ich mir auch mein eigenes Fortleben vorstellen. Beispielsweise beim Fensterputzen.

Wenn ich, nach seiner Methode, die Scheiben mit vom Spiritus durchtränkten Knäueln aus Zeitungsseiten bereibe und hernach tatsächlich feststellen kann, dass sie auf diesem Wege sauberer geworden sind denn je zuvor, dann sehe ich ihn schon beinahe neben mir. Die Augen funkeln.

Und meine Mutter erzählt, dass der Zahnarzt, der jetzt selbst vom Schlag getroffen wurde und seines Handzitterns wegen nicht mehr selbst operieren kann, zu ihr gesagt hat „Ich trage ihren Mann in meinem Herzen.“

Das ewige Leben, nicht als Flamme in einer roten Hülse, aspekteweise. So wie wir auch geliebt haben. Wie andere uns erlebt haben. In ihnen geht es fort.

Weiterlesen