26.08.
Ein Mann erklärt seinem Kind seine Policy hinsichtlich der Ferientage, die ihm zustehen. Wie er sie abwägt gegenüber seiner Ansprüche auf Gleitzeit, um «einen guten Schnitt zu machen». Das Kind tut verständig. Ich frage mich, wo es wohl weilt, in seinen Gedanken, derzeit.
Ein Mann zeigt seinem Kind eine noch nicht verheilte Wunde an der Kuppe seines Zeigefingers. Das Kind schaut. Der Mann sagt «Karton». Dann spricht er, den Blick in die unmittelbare Ferne der anderen Straßenseite gerichtet, das aus, was ihm dabei wohl an Erinnerungen an seine Eltern selig in den Sinn kommt: Altes Fleisch muss weg. Da hat das Kind natürlich fragen. Der Mann sagt: «Sagt man so.»
Meine Mutter, der ich heute früh um acht Uhr zum Geburtstag gratuliert habe («um 20 Uhr ruft man nicht an, da kommt die Tagesschau») sagt, wenn 2027/28 der Angriff Russlands auf die Bundesrepublik stattfindet, die Jahreszahl steht für sie scheinbar fest, rolls off her tongue easily, will sie sich sofort auf ihre Terrasse stellen, «um im Atomnebel zu vergehen».
Auch hier lausche ich. Sage auch etwas, aber etwas, das allenfalls Überleitung sein will. Später kommt das Thema eines Todes zum einigermaßen selbst bestimmten Zeitpunkt noch einmal auf. Dieses Mal in der Variante des Kriegsszenarios: Dass ihr der Staat eine Tablette schickt «in einem Umschlag», die sie nehmen soll, um der Allgemeinheit nicht zur Last zu fallen.
Wenn ich anderen zuhöre denke ich, ob ich im Tagebuch von den Guillemets zu den deutschen Anführungszeichen. Mein ursprünglicher Grund, die stilistische Nähe zu Virgil Abloh, ist ja nun schon seit geraumer Zeit verblichen.