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6.10.

6.10.

Der Nachbar, den der Dicke womöglich noch abscheulicher findet als mich, noch fremdartiger, ist mein direkter im Nebenhaus. Er lebt und wohnt auf der selben Etage wie ich. Allerdings in einem Haus, das, verkehrsunfallsähnlich, im rechten Winkel in das meinige zu stoßen scheint.

Er ist E-Sportler. Zumindest nehme ich das inzwischen an. Seitdem ich mehr vom Dasein eines E-Sportlers weiß, gehe ich ebenso zunehmend davon aus, dass es sich bei diesem Nachbarn, dessen Lebensweise mir zuvor noch kurios erschienen war, um einen E-Sportler handeln dürfte.

Persönlich gesprochen, ihn dazu befragt, habe ich ihn bislang nicht. Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir uns jemals in der Wirklichkeit, meinem Draußen, begegnen werden.

Ich sehe ihn immer erst nach Sonnenuntergang, wenn sein Fenster aufleuchtet wie ein Display. Das schwarze Viereck seines Bildschirmrückens schneidet ein Stück aus seinem Oberkörper. Im Sommer sportelte er nackt. Durchs offene Fenster schallten seine Anfeuerungsrufe in den Hinterhof.

Er ist über Headset mit seinen Mitspielern verbunden. Sie treffen sich in einem anderen Raum, dort kämpfen sie zusammen.

Ich lese Tonio Schachinger. Seitdem kenne ich mich aus.

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