Zum Inhalt springen

13.4.

13.4.

Ist die Wandmüdigkeit akut geworden, kann es helfen, das Heim zu verlassen — vor allem, sobald das Wetter gut. Oft aber genügt es, innerhalb des Hauses einen anderen Platz sich auszusuchen. Der neue Platz, an dem ich schreibe, taugt ideal.

Handke hat, ich weiß leider nicht mehr, wo, geschrieben, dass ihm als idealer Platz, um zu schreiben, eine Nische vorschwebt. So, wie ich mich erinnere, war es sogar ein Durchgangszimmer, ohne Tür, zum Hinterzimmer eines Gemischtwarenladens (kein Supermarkt).

Dort also längs zum Geschehen, nicht quer; nie quer! So ungefähr wie auf den von mir bevorzugten Plätzen in der S-Bahn, sitze ich jetzt. Das Fenster nicht im Rücken, aber auch nicht direkt in Sicht. Ich muss einen Schulterblick machen, dann sehe ich hinaus. In die Weite. Der Bildschirm direkt vor mir bietet ja ebenfalls eine Weite, aber sie ist anders. Tief, dabei sehr viel schmaler als die Welt vor dem Fenster — eine Art Schlauch?

Kein neuer Tisch. Der allerbescheidenste ist mir zugleich der fürstlichste. Schon immer habe ich den repräsentativen Arbeitszimmern misstraut. Wenn Leute sich in regelrechten Hallen einen gigantischen Tisch aufpflanzen, an dem sie präsidieren — gleich, ob vor sich selbst oder vor den Anderen. Der einzige, der diese Kunst beherrscht, ist Beda. Bei ihm biegt sich die Platte der ritterlichen Tafel unter dem Büchergebirge. Der Tisch, vielmehr die Tischplatte von Richard Branson auf Necker Island soll aus einem einzigen Stück Teak bestehen, das anderthalb Tonnen wiegt (schreibt Frater). Nicht zu vergessen, die «zwei hohen Wachskerzen», die Thomas Mann zu entzünden pflegte, bevor er zur Füllfeder griff.

Der Artikel über Richard Wagners Zahnarzt liegt jetzt schon den zweiten Tag unangelesen auf dem nicht existenten Stapel, der nicht bloß im Grunde einzig aus diesem Papier besteht.

Abends schmackhaftes Gemüse.

Weiterlesen