Zum Inhalt springen

13.1.

13.1.

Das Kriegsmuseum von Con Dao, der Kokosnussinsel macht es seinen Besuchern leicht, die Schwelle zu überwinden: Sie betreten dort zunächst einen weiten, von bunten Bougainvillëen verzierten Garten. Hier und da laden häusliche Kulissen zum Fotoshooting ein. Im Museumsgebäude wechselt der Ton dann allmählich. Behutsam wird auf die tieferen Saiten umgegriffen. Nach einer grotesk aufgeblähten Seekuh in Formaldehyd, die an den jungen Hirst denken lässt, geht es dann vornehmlich um das Leiden bis zum Tod.

Nach wenigen der bis zu den Zimmerdecken mit Exponaten gehängten Räumen hat man begriffen, dass die Kokosnussinsel bis 1975, dem Jahr der Befreiung, eine Strafkolonie war. Und zwar über einhundert Jahre lang.

Zunächst unter den Franzosen, die hier die ersten Konzentrationslager errichteten, in denen sie die Vietnamesen in sogenatten Tigerkäfigen hielten, das heißt in fensterlosen Gruften, die lediglich nach oben hin vergittert waren. Kuhställe und Schweinekoben wurden ebenfalls zweckentfremdet, die Namen allerdings beibehalten und die Gefangenen dort denen entsprechend «gefüttert», um sie noch zusätzlich zu erniedrigen. Schwere Zwangsarbeit dünnte die Belegschaft zuverlässig aus, an Nachschub gab es nach 1945 unter den Amerikanern auch keinen Mangel.

Die hatten die Kokosnussinsel von den Franzosen übernommen, um hier ihre politischen Häftlinge umzuerziehen, das bedeutete im Sinne ihrer Mission «Protecting Freedom», sie vom Kommunismus zu heilen.

In der Phase der Aufarbeitung des nationalen Schicksals wurden am Ende der siebziger Jahre in den Küstennahen Kiefernwäldern von Con Dao mehrere zehntausend sterbliche Überreste exhumiert, die dort verscharrt worden waren.

Es ist eines dieser Kiefernwäldchen, das wir jeden Mittag durchqueren, um den Strand von Con Dao zu besuchen. Es ist ein sehr schöner Strand wie gesagt. Neulich trafen wir dort drei junge Männer, die mit einer portablen Karaokebox ihren Auftritt probten. Sie tranken Sprite Zero.

Wir grüßten uns.

Weiterlesen