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11.3.

11.3.

Am Grab des Keltenfürsten in Hochdorf: Als hier per Zufallsfund in einem Acker die ersten Hinweise auf den historischen Grabhügel ans Licht geholt wurden, war ich sieben Jahre alt. Der Dokumentarfilm, der heute noch im Saal über der rekonstruierten Grabkammer vorgeführt wird, spricht noch die Sprache dieser Ära. Eine Männerstimme. Mit rollendem Bühnen-R.

In dem Film sind Szenen der Ausgrabungsarbeiten montiert, überwiegend ist es Fotomaterial, sichtlich von Amateuren gemacht. Man war sich der Bedeutung des Unternehmens entweder nicht bewusst oder hat vor fünfzig Jahren unter Wissenschaftlern noch keinen Wert auf die Vermarktbarkeit der Arbeit gelegt; vielleicht auch gar nicht müssen?

Unwillkürlich denkt man beim Anblick der hemdsärmelig und bunt im Acker mit den Händen schaffenden Archäologen an Szenen aus einem anderen Land: Ich selbst bin jetzt ein Archäologe der Betrachtungsweisen, der mit seinem Blick eine Schicht unter meiner Gegenwart freilegt. Dort wuseln die Zeitgenossen meiner frühen Jahre umher, sie legen den Blick auf das Grab unserer Vorfahren frei.

Der Keltenfürst trägt, so ließ es sich rekonstruieren, einen kegelförmigen Hut aus Birkenrinde. Der Hut sieht exakt so aus wie jener kegelförmige Hut aus Bambusstroh, den man in Vietnam auch heute noch trägt, wenn man bei Tag unter der Sonne zu arbeiten hat.

Auf den Webstühlen der Frauen im Volk des Keltenfürsten sind aus mit Pflanzensaft gefärbten Fäden aus Pflanzenfasern kleinkarierte Stoffe entstanden, die den Krama, den traditionellen Schals der Khmer auf (mich) verblüffende Weise gleichen. Bis in die verflochtenen und verzwirbelten «Zitzes» an den Enden der Schals, die die Stoffe der Kelten haargenau so auch hatten.

Von einem weitgespannten Netz des Informationsaustausches durch den Handel in dieser Zeit vor 2500 Jahren ist die Rede in der Ausstellung, die formidabel ist.

Morgen wird mein Vater 80 Jahre alt.

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